Wichtige Erkenntnisse
- Nicht jeder Fonds mit „grün" im Namen ist auch wirklich nachhaltig – Greenwashing ist weit verbreitet.
- Die FNG-Siegel und das österreichische Umweltzeichen sind die strengsten Prüfsteine für echte Nachhaltigkeit.
- ETFs wie der iShares MSCI World SRI oder der Amundi MSCI World SRI schneiden in unabhängigen Tests oft am besten ab.
- Prüfe immer die Top-10-Beteiligungen eines Fonds – wenn dort Rüstungskonzerne oder Ölriesen auftauchen, ist das ein Alarmzeichen.
- Eine Mischung aus einem Kern-ETF (breit gestreut) und einem Themen-ETF (z.B. Clean Energy) kann für Einsteiger sinnvoll sein.
- Deine Bank oder dein Broker sollte eine transparente Liste aller Fonds-Bestandteile anzeigen – sonst Finger weg.
Grün – was heißt das eigentlich? Meine erste Lektion
Als ich vor fünf Jahren anfing, mein Geld „grün" anzulegen, dachte ich: einfach einen Fonds mit Blättern im Logo kaufen, fertig. Totaler Fehler. Ich kaufte einen Fonds, der „Nachhaltigkeit pur" hieß – und stellte später fest: Dessen größte Position war ein Bergbaukonzern, der in Brasilien Regenwald abholzte. Ehrlich gesagt, ich habe mich geärgert. Nicht über den Konzern, sondern über mich. Ich hatte nicht verstanden, dass „grün" keine geschützte Bezeichnung ist. Der erste Schritt zur echten nachhaltigen Geldanlage für Einsteiger: Du musst verstehen, was die Labels wirklich bedeuten. Die EU hat 2021 die
SFDR-Verordnung (Sustainable Finance Disclosure Regulation) eingeführt. Sie teilt Fonds in drei Kategorien: Artikel 6 (keine Nachhaltigkeit), Artikel 8 („hellgrün" – berücksichtigt ESG-Kriterien, aber ohne strenge Ausschlüsse) und Artikel 9 („dunkelgrün" – tatsächlich nachhaltig). Klingt einfach? Ist es nicht. Denn viele Fonds, die heute als Artikel 8 laufen, bewerben sich als nachhaltig – obwohl sie weiterhin in fossile Energien oder Rüstung investieren. Die
Stiftung Warentest hat 2024 festgestellt: Nur etwa 10 Prozent der getesteten „grünen" Fonds erfüllen wirklich strenge Kriterien. Der Rest? Greenwashing, verpackt in hübsche Broschüren. Meine persönliche Regel: Ein Fonds, der nicht mindestens das
FNG-Siegel (Forum Nachhaltige Geldanlage) oder das
österreichische Umweltzeichen trägt, kommt mir nicht ins Depot. Punkt.
Welche Fonds sind wirklich grün? Meine Top-3-Liste
Ich habe in den letzten Jahren Dutzende Fonds durchleuchtet. Meine Methode: Ich schaue mir nicht nur die Werbung an, sondern lade die komplette
Vermögensaufstellung von der Fondsgesellschaft herunter. Ja, das ist Arbeit. Aber es lohnt sich. Hier sind drei Fonds, bei denen ich nach monatelangem Testen ruhig schlafen kann:
1. iShares MSCI World SRI ETF (ISIN: IE00BYX8JD24)
Dieser ETF bildet den MSCI World SRI Index ab – ein Index, der Unternehmen mit den höchsten ESG-Ratings auswählt und Sektoren wie Tabak, Waffen, fossile Brennstoffe, Alkohol und Glücksspiel komplett ausschließt.
Performance 2024: +19,3 % (Quelle: justETF). Kosten: 0,20 % p.a. Das Ding ist: Der ETF ist breit gestreut (ca. 300 Unternehmen) und hat in den letzten drei Jahren den normalen MSCI World geschlagen. Viele sagen, nachhaltige Anlagen brächten weniger Rendite – das Gegenteil ist der Fall. Aber Vorsicht: Dieser ETF enthält keine Unternehmen aus Schwellenländern. Wer globale Abdeckung will, braucht einen zweiten ETF.
2. Amundi MSCI World SRI ETF (ISIN: IE000OHHIBC6)
Ein direkter Konkurrent zum iShares. Kostet mit 0,18 % p.a. sogar noch weniger. Enthält etwa 350 Titel. Der Unterschied: Amundi hat strengere Ausschlusskriterien bei Unternehmen mit kontroversen Geschäftspraktiken – etwa in den Bereichen Menschenrechte oder Umweltverschmutzung. Ich persönlich bevorzuge diesen ETF für mein Kernportfolio, weil er etwas mehr Diversifikation bietet und ich mit Amundis Engagement-Politik (wie sie Aktionärsrechte nutzen, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu drängen) besser klarkomme. Aber das ist Geschmackssache.
3. iShares Global Clean Energy ETF (ISIN: IE00B1XNHC34)
Achtung: Das ist kein breiter ETF, sondern ein
Themen-ETF. Er investiert in Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien: Solar, Wind, Wasserstoff. Performance schwankt extrem. 2023: -14 %. 2024: +22 %. Ich halte davon nur 10 % meines Gesamtportfolios. Der ETF ist kein Ersatz für einen breiten Nachhaltigkeits-ETF, sondern eine Ergänzung. Wer hier alles reinsteckt, geht ein Klumpenrisiko ein. Aber für Einsteiger, die sehen wollen, wie grüne Technologieunternehmen performed – absolut spannend.
Welche ETFs sind wirklich grün? Die harte Prüfung
Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Und ich gebe dir eine ehrliche Antwort: Es gibt keinen einzigen ETF, der perfekt ist. Aber es gibt welche, die dem Ideal sehr nahe kommen. Laut einer Untersuchung der
Verbraucherzentrale (2024) schneiden ETFs, die den MSCI World SRI oder den MSCI ACWI SRI abbilden, am besten ab. Warum? Weil sie: -
Alle fossilen Brennstoffe ausschließen (Öl, Gas, Kohle) -
Rüstung und Waffen komplett meiden -
Nuklearenergie in der Regel nicht enthalten -
Hohe Transparenz über ihre Beteiligungen bieten Und dann gibt es die Überraschung: Der
Xtrackers MSCI World ESG Screened ETF (ISIN: IE00BZ0PKW67) wird oft als „hellgrün" beworben – aber ich habe nachgeschaut: Er enthält Unternehmen wie Exxon Mobil und Chevron. Das ist für mich kein grüner ETF. Egal, was die Werbung sagt. Meine Faustregel: Wenn ein ETF „ESG Screened" oder „ESG Enhanced" im Namen trägt, aber nicht „SRI" (Socially Responsible Investing) oder „Climate", dann ist Vorsicht geboten. SRI ist der strengere Standard.
Wie finde ich grüne Geldanlagen? Ein Praxisleitfaden
Die gute Nachricht: Du musst kein Finanzexperte sein. Die schlechte: Du musst ein bisschen Zeit investieren. Hier meine Schritt-für-Schritt-Methode:
- Such dir eine Plattform – ich nutze justETF.com oder extraETF.de. Dort kannst du nach „Nachhaltigkeit" filtern.
- Wähle den Filter „SRI" oder „Climate" – nicht nur „ESG". Das ist der erste Fehler, den die meisten machen.
- Schau dir die Top-10-Beteiligungen an – wenn dort ein Ölkonzern oder ein Waffenhersteller auftaucht, streich den Fonds sofort.
- Prüfe das Siegel – FNG-Siegel oder österreichisches Umweltzeichen sind vertrauenswürdig.
- Vergleiche die Kosten – ETFs unter 0,30 % p.a. sind okay. Fonds über 0,5 % p.a. sollten außergewöhnliche Leistung bringen.
- Starte klein – investiere erstmal 500 Euro in einen einzigen ETF. Nach drei Monaten siehst du, ob du dich wohlfühlst. Dann kannst du aufstocken.
Welche Fehler ich gemacht habe – und du vermeiden solltest
Fehler Nummer 1: Zu viel Vertrauen. Ich habe einem Fonds geglaubt, der sich „Green Planet" nannte. Spoiler: Enthielt Aktien von RWE und TotalEnergies. Heute weiß ich:
Der Name ist Werbung, der Inhalt ist Realität. Fehler Nummer 2: Kein Nachhaken bei den Ausschlusskriterien. Viele Fonds schließen nur „schwere Verstöße" aus – aber was als „schwer" gilt, definiert der Fonds selbst. Ein Fonds kann sagen, er schließe Kinderarbeit aus – aber wenn der Grenzwert bei 5 % Umsatzanteil liegt, dann darf ein Unternehmen 4,9 % seines Umsatzes mit Kinderarbeit machen und bleibt drin. Klingt absurd, ist aber Praxis. Fehler Nummer 3: Zu viel Renditeerwartung. Nachhaltige ETFs sind nicht schneller, sondern stabiler. In den letzten fünf Jahren haben sie den MSCI World um durchschnittlich 0,5 % pro Jahr outperformt – aber mit weniger Volatilität. Das ist der Punkt: Du investierst nicht für eine Wette, sondern für eine ruhige Zukunft.
Die besten nachhaltigen ETFs weltweit – im Vergleich
| ETF-Name | ISIN | Kosten p.a. | Anzahl Titel | Ausschluss fossile Brennstoffe | Bewertung (1-5) |
| iShares MSCI World SRI | IE00BYX8JD24 | 0,20 % | ca. 300 | Ja | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Amundi MSCI World SRI | IE000OHHIBC6 | 0,18 % | ca. 350 | Ja | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| iShares Global Clean Energy | IE00B1XNHC34 | 0,40 % | ca. 100 | Ja (Themen-ETF) | ⭐⭐⭐⭐ |
| Xtrackers MSCI World ESG Screened | IE00BZ0PKW67 | 0,19 % | ca. 700 | Nein (enthält Ölunternehmen) | ⭐⭐ |
| SPDR MSCI World ESG Screened | IE00BFNPS850 | 0,12 % | ca. 500 | Teilweise | ⭐⭐⭐ |
Und was ist mit nachhaltigen Fonds-Testsiegern?
Die Stiftung Warentest testet regelmäßig nachhaltige Fonds. Im letzten Test (2024) waren die Testsieger: -
GLS Bank Aktienfonds (ISIN: DE000A0Y9UH6) – ein aktiv gemanagter Fonds, der nur in Unternehmen investiert, die strengen sozial-ökologischen Kriterien entsprechen. Kosten: 1,2 % p.a. – teurer als ETFs, aber mit persönlicher Beratung. -
Ökoworld Ökovision Classic (ISIN: LU0064181547) – ebenfalls aktiv, mit FNG-Siegel. Enthält keine Unternehmen aus kontroversen Branchen. Die Verbraucherzentrale warnt jedoch: Aktive Fonds sind oft deutlich teurer (Kosten bis zu 2 % p.a.) und schneiden in der Rendite häufig schlechter ab als ETFs. Mein Tipp: Wenn du unter 50.000 Euro anlegen willst, sind ETFs die bessere Wahl. Aktiv gemanagte Fonds lohnen sich erst ab hohen Summen – und auch dann nur, wenn der Fondsmanager wirklich überdurchschnittlich ist.
Nachhaltiger ETF ohne Tesla – geht das?
Ja, und zwar besser als gedacht. Viele „grüne" ETFs enthalten Tesla, weil das Unternehmen als „E-Mobilitäts-Pionier" gilt. Aber Tesla hat in den letzten Jahren massive Probleme mit Arbeitsbedingungen, Umweltverschmutzung in den Fabriken und der Rolle von Elon Musk (der sich zunehmend politisch radikalisiert). Für viele Anleger ist Tesla nicht mehr nachhaltig. Wenn du Tesla meiden willst, such nach ETFs, die den
MSCI World SRI ex Fossil Fuels oder
MSCI ACWI SRI abbilden – der schließt Tesla nicht automatisch aus, aber die SRI-Kriterien sind streng. Alternativ: Der
Lyxor MSCI World SRI (ISIN: FR0010524777) enthält Tesla nicht, weil das Unternehmen in den Bereichen „Arbeitsrechte" und „Corporate Governance" durchfällt. Ich persönlich habe Tesla aus meinem Depot gestrichen – aus Überzeugung. Dafür habe ich mehr in Clean-Energy-ETFs investiert, die Unternehmen wie Siemens Gamesa oder Vestas enthalten. Das fühlt sich stimmiger an.
Warum ich nicht alles in einen Korb stecke
Ein abschließender Gedanke, der mir wichtig ist: Nachhaltige Geldanlage ist kein Allheilmittel. Ich investiere nur etwa 30 % meines Vermögens in grüne Fonds. Den Rest habe ich in Immobilien, Tagesgeld und einen klassischen Welt-ETF gesteckt. Warum? Weil Nachhaltigkeit nicht nur eine finanzielle Frage ist. Wenn mein grüner ETF morgen um 20 % fällt und ich mein ganzes Geld darin habe, verkaufe ich in Panik. Das ist menschlich. Besser: Eine Mischung, bei der ich ruhig schlafen kann. Die Wahrheit: Nachhaltige Geldanlage ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und der wichtigste Schritt ist nicht der perfekte Fonds – sondern der erste Schritt überhaupt. Fang an. Prüfe. Lerne. Und irgendwann wirst du merken: Dein Geld arbeitet nicht nur für dich, sondern auch für eine Welt, in der du leben willst.